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​Der Jüngste Tag

von: Blackdiablo

[Auszug aus einem Kampagnenbericht. Der Rest findet sich hier.]

  • Todd Bishop (Pferdezüchter/selbsternannter Exorzist, hält sich nach einem Reitunfall für Jesus Christus, den Heiland und Erlöser, angesehenes Mitglied der Bishops „aus der Stadt“, hat unbewusst seine Freunde verraten, vertrieb die Teufel aus den Kühen)
  • Nathan Onyx (Geologie-Professor, interessiert an den Steinformationen rund um Dunwich, verlor in einer Vorlesung den Verstand und bewarf seine Studenten mit Steinen, ist nun im Kururlaub, hat „Muskeln aus Stein“, „Romeo“, der sich zu spät an seine Ehefrau erinnert hat …, … und sie und seine Affäre verlor, dem Wahnsinn nahe)
  • Samuel Dawson (Metzger, Pilzsammler, sieht aus wie der Weihnachtsmann, jeder mag ihn, ist „zufrieden mit sich und der Welt“, „Santa Claus“ mit seinem Schlitten)

Auf dem Weg zu der flachen Öffnung der Schlucht schallten zwei, dann noch einmal zwei gedämpfte Schrotflintenschüsse von einer der Farmen in der Nähe herüber. Mit Bishops Kenntnis der Menschen in der Umgebung identifizierte er sofort das Haus der Atkins (Name absichtlch geändert). Da er der Heiland und Erlöser war, konnte er dies nicht ignorieren und mit Ausnahme von Dawson, der an seinem „Schlitten“ blieb, machten sich die drei auf den Weg zu helfen.

An der Farm erkannten sie hinten eine Bewegung an der Begräbnisstätte und schickten Onyx vorsichtig hin. Die anderen beiden untersuchten grob das leere Haus, dann den Keller. Drinnen war ihnen aufgefallen, dass eine Schrotflinte vom Kamin fehlte und überall Einmachgläser herumstanden. Nichts aber, was auf einen Kampf hingedeutet hätte. Der Anschein der Ruhe täuschte, denn im Keller befand sich das Massaker. Einzig die Mutter konnte sich noch mit ihrer Wunde auf den Beinen halten. Morgan hielt Bishop den Rücken frei, während dieser zu ihr eilte. Witzigerweise murmelte sie bei seinem Anblick: „Nun ist der Messiahs endlich doch gekommen!“, nur um dann in Ohnmacht zu fallen. Unten roch es übel, doch unnatürlich übel. Überall Schießpulver, aber auch ein widerwärtig galliger Geruch. Es war klar, dass sie sofort zu einem Arzt musste. Für die beiden Kinder war es zu spät. Mit einem Schicksalspunkt wurde sie provisorisch verarztet und dann zum „Schlitten“ gebracht.

Währenddessen kam Morgan Onyx hinterher. Dieser beobachtete den Jungen der Atkins, der am Begräbnis einer Dee Atkins verweilte, in seinem Arm ein verstorbener Säugling, den er sich wie eine groteske Puppe an die Brust drückte. Er war apathisch und wurde mit seiner Mutter zum Dorfarzt gebracht. Schließlich kontaktierte dieser das Arkham Sanatorium und sollte dort fürs erste sein Dasein fristen. Die Mutter überlebte und womöglich würde sie ihren persönlichen Jesus noch ihren Dank zuteil werden. Die Polizei wurde des weiteren kontaktiert, um die Farm der Atkins in Augenschein zu nehmen.

Die ganze Affäre hatte es Nacht werden lassen und niemand hatte so rechte Lust, die Schlucht ohne Tageslicht zu erkunden. Somit verabschiedeten sich die Leute und wollten am nächsten Tag weitermachen. Morgan recherchierte einige interessante Begriffe, Onyx schlief bei Bishop, Dawson war zufrieden mit sich und der Welt.

Ich beschränke mich auf „Der Jüngste Tag“, da ich zum Sandboxing und „Living Cities“ bereits in den anderen Berichten viel geschrieben habe.

„Der Jüngste Tag“ ist denkbar kurzweilig und tatsächlich eher eine Kurzszene als alles andere. Es ist nicht glorreich, in seiner Ausführung aber ganz nett. Es lässt sich bei Untersuchungen in Dunwich fast jederzeit locker einbringen und man kann auch nicht allzu viel damit falsch machen. Der Junge mit dem toten Säugling im Arm ist ein Fastfoodschocker, zunächst abstoßend und schlimm, dann aber auch wieder recht schnell vergessen. So mein Eindruck. Das Ganze zehrt in erster Linie an der Stabi, mag aber gleichzeitig neue Aspekte im Handlungskonstrukt auslösen, ohne vom Wesentlichen abzulenken. Es verknüpft unprätentios Dunwichs Kern mit einem kleinen Familiendrama, das wirklich tragisch daherkommt. Speziell bei uns war sehr nett, dass der Jesuskomplex von Bishop auf diese Art und Weise noch nett zur Geltung gekommen ist.

Insgesamt: Muss man nicht spielen, ist nicht sonderlich innovativ, erfüllt aber die Ansprüche, die es sich selber setzt, und macht dabei wenig falsch. Einfach mal lesen, mit wenig Vorbereitung sehr vielseitig verwendbar.


Ursprünglich veröffentlicht im Cthulhu Forum.

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  • Zuletzt geändert: 01.12.2015 23:17 Uhr
  • von blackdiablo