[[autoren:edward_bulwer-lytton]]

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu der Vergleichsansicht

autoren:edward_bulwer-lytton [23.09.2018 22:04 Uhr] (aktuell)
black_juju angelegt
Zeile 1: Zeile 1:
 +====== ​Edward Bulwer-Lytton ======
 +
 + Der 1. Baron Lytton wurde als Sohn des General William Earle Bulwer in Baker Street, London geboren. ​
 +Seiner Mutter Elizabeth Barbara Lytton fiel er als neurotisches Kind mit durchwachsener Schullaufbahn zur Last. 
 +Seine Begabung für die Schreibkunst zeigte sich jedoch bereits in früher Jugend, mit 15 Jahren publizierte er erste Gedichte.
 +
 +Seine Jugend entsprach weniger der Standesherkunft. Er studierte zwar in Cambridge und bekleidete einen Rang in der royalen Armee, ​
 +diente jedoch nie aktiv und kümmerte sich zu Studienzeiten eher um Privatdrucke seiner Verse. Zeitweise wich er nach Paris aus.
 + Sein Vater verstarb früh und mit seiner Mutter brach er, um die Irin Rosina Doyle Wheehler zu ehelichen. ​
 +Mit ihr führte er eine turbulente Ehe, die durch seine Untreue und ständige Geldknappheit geprägt war, sodass es zuletzt zur Scheidung kam.
 + Seine Mutter hatte jedwede Unterstützung aus dem Familienvermögen stets abgelehnt. Auch verbitterte Rosina die Tatsache, dass Bulwer jede freie Minute nicht ihr 
 +widmete, sondern am Schreibpult verbrachte. Neben der Tätigkeit als Schriftsteller befleißigte er sich einer vorzeigbaren politischen Karriere. ​
 +So saß er zehn Jahre für die Liberalen und später weitere 14 Jahre für die Konservativen im Unterhaus, bekleidete kurz das Amt des Kolonialministers und wurde nach
 + ​Abschluss seiner Laufbahn in den britischen Hochadel aufgenommen. Aber auch dieser Berufsweg wurde dann und wann von Krisen geschüttelt,​ als er zum Beispiel seine
 + ​frühere Gattin in ein Irrenhaus einweisen ließ, um sie an der Weitergabe sensibler Informationen bezüglich seiner Person zu hindern. Bulwer-Lytton starb 1873 
 +vermutlich an einer durch einen Abszess am Ohr ausgelösten Hirnhautentzündung. Beigesetzt ist er in Westminster Abbey.
 +
 +===== Literarisches Werk =====
 +
 +Bulwer-Lytton wird als Autor heute zwiespältig gesehen. Zu Lebzeiten war er einer der erfolgreichsten und meistgelesenen Literaten in seiner Heimat, der zeitweise ​
 +an die Absatzzahlen eines Charles Dickens heranreichte. Sein zweiter Roman „Pelham oder: Abenteuer eines Gentleman“ erschien 1828 und macht ihn zum gefeierten Mann. 
 +Geschrieben unter Schuldendruck,​ schildert der Baron im Buch schlicht seine eigenen – allerdings fiktionalisierten - Erlebnisse zwischen Pariser Bohème und akademischer ​
 +Elitenschmiede,​ wobei die Sache dann in eine Freundschafts- und Kriminalgeschichte mündet. Obgleich heute obskur, wird der Roman dennoch oftmals als bestes Werk Bulwers
 + ​genannt – wenn auch kritische Konkurrenten wie William Makepeace Thackeray Vorwürfe in der Hinsicht formulierten,​ Bulwer sei ein „Meister des silver-fork-Romans“;​
 + jener Dandyliteratur also, die inmitten sozialer Problemlagen die Attitüden der Oberschicht zur Schau trage und sich in bürgerlichen Belanglosigkeiten ergehe. ​
 +Der Roman sanierte ihn dennoch finanziell und fortan wurde er von Verlagen per Vorschuss bezahlt. Er stieg in der Gunst der Leser, sein „Paul Clifford“ verursachte ​
 +1830 gar einen kleinen Skandal, da Bulwer hier einen diebischen Briganten als Protagonisten nutzte. Später ließ er einen Mörder im Mittelpunkt eines Romans stehen, ​
 +wofür er wiederum vom moralischen Establishment harsch kritisiert wurde. In seiner Zeit als Politiker verließ er allerdings das fiktionale Terrain zuweilen und griff 
 +mit ins politisch-soziale Zeitgeschehen ein, bspw. mit dem national-kulturellen Rundumschlag „England and the English“. Weitere wichtige Werke waren der historische ​
 +Roman „Pompejis letzte Tage“ (1834) und die Proto-Science-Fiction „Das Geschlecht der Zukunft“ (1871).
 +
 +Edward Bulwer-Lytton war zu Lebzeiten und auch noch einige Jahre nach seinem Tode ein Bestseller, ein für die viktorianische Zeit prägender Autor – 
 +heute ist er größtenteils vergessen. Er hat in seinen Romanen geflügelte Worte geprägt – u.a. „die Feder ist mächtiger als das Schwert“ – und er muss heute Pate 
 +stehen für den schlechtesten Anfangssatz eines Romans, nämlich: „Es war eine dunkle und stürmische Nacht…“;​ Bulwer beginnt sein Skandalbuch „Paul Clifford“ damit und 
 +seitdem wird dieser Start als Paradebeispiel für blumig-pathetische Prosa herangezogen. Bis heute rettet sich auch die Legende, Bulwer sei Logenbruder und okkulter ​
 +Geheimbündler gewesen. Tatsächlich schrieb er einen Roman über die Rosenkreuzer,​ als ihn der britische Ableger jedoch zu einem Patron erklärte, war er wenig erfreut
 + und beschwerte sich postalisch. Es ist nicht belegbar, dass der Baron Lytton esoterischen Aktivitäten nachging. Okkulte Studien trieb er in einer romantischen Belustigung,​
 + wie es zu seiner Zeit durchaus Usus war. Tatsächlich kann seine Denkrichtung eher einem dogmatischen Christentum mit Hang zur Schulmeisterlichkeit zugeordnet werden, wie 
 +[[autoren: S. T. Joshi|]] anhand zweier Romane Bulwers gezeigt hat. Eine weitere Kuriosität bildet sich um seine für die SF nicht unwichtige dystopische Satire „Das kommende Geschlecht“. ​
 +Diese machte ihn posthum zum Stifter einer rechtsextremen Verschwörungstheorie:​ Die Legenden um die deutsche Vril-Gesellschaft fußen auf Bulwers Roman, in welchem eine 
 +unterirdisch lebende Rasse die sog. „Vril-Kräfte“ beherrscht.
 +In Deutschland hatte Arno Schmidt die Bedeutung Bulwers im 20. Jahrhundert erstmals wieder betont, wobei dies nicht den Konsens abbildet, denn andernorts wurden seine 
 +Werke durchaus als „heutzutage unverdaulich“ (Mary Hottinger) bezeichnet und auch [[autoren:​howard_phillips_lovecraft|Lovecraft]] war nicht zur Gänze überzeugt. Ohne weniger angetan von den Viktorianern, ​
 +geißelt er in seinem bekannten Großessay die „schwülstige Rhetorik“ Bulwers und prangert den „hohlen Romantizismus“ an, räumt dann allerdings auch den Bulwers Geschichten ​
 +durchaus innewohnenden „bizarren Zauber“ ein und zählt „Das Haus und das Hirn“ zu den wohl besten Geisterhausgeschichten. Diese klassische Schauergeschichte dürfte heute 
 +Bulwers bekanntes Kurzwerk sein, allerdings eher anzutreffen unter dem gefälligeren Titel „Das verfluchte Haus“ (im Original „The Haunted and the Haunters or The House and the Brain“,
 + ​1859). Sie lässt sich auch dann und wann als „Das verfluchte Haus in der Oxford Street“ finden (das zum Vorbild genommene Haus stand indes am berühmten Berkeley Square). ​
 +Wie Joshi vermerkt, gestand Lovecraft den viktorianischen Autoren durchaus eine gewisse „Verve“ zu, letztlich waren sie für ihn aber bloßes Phänomen, eine „Nachwirkung der 
 +Einflüsse Poes“. Auch Joshi selbst heftet zumindest die Romane des Engländers unter „unlesbar“ ab. Aber natürlich muss eine gewisse Bewunderung für den ach so schwülstigen ​
 +Stil Bulwers bei Lovecraft konzediert werden, denn schließlich setzte er dessen Imaginationsvermögen in „Dagon“ ein Denkmal, und auch S.T. ist geneigt, zumindest mit Blick auf 
 +die Kurzprosa dem englischen peer eine „geschliffene Handwerkskunst“ zu attestieren. Dort lobt er wiederum besonders „Das verfluchte Haus“ als ästhetisch formvollendet.
 +
 +===== Werke =====
 +
 +===== Weblinks =====
 +
 +===== Siehe auch =====
 +{{backlinks>​.}}
 +
 +{{tag>​Autor}}
 +
  
  • autoren/edward_bulwer-lytton.txt
  • Zuletzt geändert: 23.09.2018 22:04 Uhr
  • von black_juju